Mutter – Kind – Gruppe (Melanie)

„Lasset die Kindlein zu mir kommen …“

Diese Jesus Worte haben mich schon als Kind fasziniert. Kinder vollwertig zu betrachten, sie ernst zu nehmen, ihnen Aufmerksamkeit und vor allem Liebe zu schenken, das ist gewiss sein Anliegen bis heute.

Als ich mich etwa vor neun Jahren nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Gemeinde umsah, bot sich die Gelegenheit, in der Mutter – Kind – Gruppe mitzuwirken. Es wurde jemand gesucht, der sich um die Kleinen kümmern sollte. Das wollte ich mir gern einmal anschauen.

Die Gruppe traf sich jeden Dienstagvormittag gegen 9:15 Uhr im Pastorat, in dem ein großer heller Raum zur Verfügung stand. Tische und Stühle wurden gerückt und ein Stuhlkreis (kleine und große) gebildet. Jedes Kind wurde mit einem Lied begrüßt und durfte mit einem Glöckchen bimmeln: „Ich bin da, du bist da, wir sind alle da, es ist auch die …“ So lernten die Kleinen (vom Baby bis 3 Jahre) ihre Namen kennen. Die Lieder wurden begleitet von einer Gitarre und einfachen Musikinstrumenten, die von den Kindern, je nach Temperament, laut oder zaghaft benutzt wurden. Nach dem lebhaften Singen erzählte die Leiterin eine biblische Geschichte, die mit Bildern, Figuren, Tüchern usw. anschaulich dargestellt wurde. Die Kinder reagierten sehr unterschiedlich, die dreijährigen natürlich anders als die Krabbelkinder.

Danach löste sich der große Kreis auf. Die Mütter setzten sich mit der Leiterin zusammen, um ein bestimmtes Thema zu besprechen, aus der Bibel oder aus dem täglichen Leben im christlichen Sinn.

Für die Kinder gab es was zum Futtern: Banane, Apfelstückchen, Knäckebrot usw. Wir zwei Helferinnen setztem uns mit auf die Decke auf dem Fußboden und achteten darauf, dass es keinen Streit gab und niemand zu kurz kam. Danach wurde gespielt: Kästen mit hölzernen Bausteinen, kleine Holzeisenbahn mit Schienen, buntes Plastik zum in- und auseinandernehmen, Bilderbücher, große und kleine Autos, Kuscheltiere usw.

Die Mütter waren jederzeit erreichbar, so dass wir die Kleinen gut ablenken konnten, damit die Erwachsenen relativ ungestört blieben. Da wurde schon ‚mal geschubst, Spielzeug weggerissen, der Kopf gestoßen, die Rotznase verschmiert. Bei bis zu zehn Kindern hatten wir also ausreichend Beschäftigung, und die Zeit verging wie im Flug.

Wenn alles Spielzeug wieder eingesammelt und in den Kästen verschwunden war – hier ein Junge gewickelt und dort ein Mädchen gestillt – wurde ein Kerzenleuchter in die Mitte gestellt. Nun wurde das Vaterunser gebetet und ein Abschiedslied gesungen und danach Kerzen ausgepustet. Das war immer ein besonderer Spaß.

Mittlerweile war es nach 11:00 Uhr, wobei manche Mutter gern ein bisschen länger blieb: ein Rat zu der privaten Situation, eine Verabredung untereinander, Glaubensfragen, ein Fürbittgebet.

Als nach ein paar Jahren die Dienstagsgruppe beendet wurde, blieb ich in der Donnerstagsgruppe, in der ein ähnlicher Ablauf stattfand.

Die Leiterin und ich haben uns im Sommer 2010 verabschiedet mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Junge Frauen wirken weiter, um gute Saat zu säen, und wir „Alten“ wünschen dazu Gottes Segen.

Hin und wieder treffe ich ein ehemaliges „Baby“ als Schulkind, bei einem Gemeindefest, im Kinderchor oder winkend auf dem Rad vorbeifahrend. Dann hüpft mein Herz vor Freude: Ich durfte sie ein Stückchen begleiten! Dafür bin ich sehr dankbar!

3 Gedanken zu „Mutter – Kind – Gruppe (Melanie)

  1. Liebe Melanie,

    das hast Du schön beschrieben, genau so war es (und ist es wohl noch). Ein Dienst, der so viel Freude macht und, wie ich glaube, Gott wichtig ist.

    Margit

  2. Liebe Melanie,
    das hast Du ganz wundervoll beschrieben und ich danke Dir für Deine jahrelange Mitarbeit. Wir werden uns Mühe geben es auch in Deinem Sinne weiterzuführen, denn die großen erwartungsvollen Kinderaugen jede Woche sind Motivation und Freude genug.
    Maike

  3. Liebe Oma,
    der Text ist einfach toll!
    Er liest sich sehr gut und ist unglaublich liebevoll geschrieben.
    Man kann sich den ganzen Ablauf bildlich vorstellen, und bekommt so selbst ein Gefühl dafür, wie du dich in diesem Hobby wohlfühlst und wiederspiegelst.
    Ich hab dich ganz doll lieb
    Deine Jana

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